About turning 30

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Als ich heute Morgen im Bad stand, kam mir meine Créme & Schminkzeug-Ablage vor wie ein Medikamentenschrank. Wann hab ich das ganze Zeug eigentlich angesammelt? Ich besitze faktische 3 Augencrémes, 4 unterschiedliche Handlotionen und –butter, die vermutlich alle identisch wirken (wenn überhaupt). Mein Sortiment umfasst 3 (!) Primer (als könnte ich alle übereinander auftragen), 4 Foundations (die ich wenn, dann nur unter den Augen und um die Nase herum nutze), 3 Wimperntuschen (eine zum Formen, eine zum Verdichten, eine für den unteren Wimpernkranz). Ihr seht schon, wo meine Aufzählung hinführt: Ins Unendliche.

Während ich dieses Jahr 30 werde, blickt mein Kampf gegen das Altern seinem 5. Geburtstag entgegen. Ich erinnere mich daran, als ich mit 25 meine erste Anti-Aging-Pflege organisierte und mir die Verkäuferin ziemlich erschüttert ins Gesicht sah, weil sie meinte, mit Anti-Aging müsse man ja schon mit 20 anfangen. Also quasi nach dem Schlüpfen.

Ich weiss auch noch ganz genau, dass ich mit 16 eine Phase hatte, in der die Schicht meines Make-Ups fetter war als mein Hass gegen Autoritäten. Lustigerweise hatte ich davor und danach eine Phase, in der ich mir maximal die Wimpern tuschte und meine mit 14 verzupften Augenbrauen auffüllte.

Als ich um Silvester rum 7 ganze Tage lang in mein von der Grippe erschüttertes, ungeschminktes Gesicht blickte während ich den Kardashians dabei zusah, wie sie ihre erste Welt Probleme nicht lösten, litt ich knapp an einer Identitätskrise. Wer bin ich und wie fällt diese Frage für mich in 10 Jahren aus?

Was ist in 30 Jahren meines Lebens passiert? Ich bin glücklich am unabhängigsten Punkt meiner Existenz angelangt, bin nach 19 Jahren Schule & Studium vollständig ausgebildet, hab einen tollen Job, einen Blog, der mich mit Freude erfüllt, kann arbeiten wo ich will, kann reisen wohin ich will, halte meine Arzttermine endlich zu 60% ein, zahle meine Rechnungen mit vermindertem Verzug, wohne auf 120 Quadratmetern, wovon 20 meine Kleider und Schuhe einnehmen, hatte Ups and Downs, gesunde und kranke Phasen, zu wenig Gesichtspflegen und zu oft raue Haut im Winter, hab ein paar Mal von vorn angefangen, schlechte Sonnenbrillen getragen, Ja und Nein zum Leben gesagt, Leute aus meinem Umfeld eliminiert, gelitten und geliebt wie eine Blöde und bin bei allem mit leichten Kratzern davongekommen. Leichten Kratzern und einer Denkfalte zwischen meinen Augen, die ich lange morgendlich begutachtete und liebevoll mit einer Kaviarcréme einbalsamierte. Bis jemand zu mir sagte: „Mel, ich liebe diese Falte zwischen deinen Augen. Das macht dich richtig speziell. Du weißt, dass in manchen Kulturen Zeichen an genau dieser Stelle für geheimes Wissen stehen?“ Uch. Seriously? Ich besitze das dritte Auge in Form einer Falte also. Ok.

Anyway. Seitdem mag ich sie, die Falte. Aber nicht, weil sie schön ist. Sondern weil sie mich schön macht, wenn man so will.

Schön ist auch, dass ich nach 30 Jahren immer noch Motivationslöcher habe so ganz nach dem Motto: Ich habe so lange ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe. Hat mich nicht davon abgehalten, meine Träume in Taten zu transformieren, die sie mich erreichen lassen. Manchmal langsamer, manchmal schneller. Manchmal wurden aus Träumen auch Albträume.

Ich werde nie auf meine Anti-Falten-Programme verzichten, obschon sie wahrscheinlich nicht effizient sind. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt – egal wie alt man ist. In diesem Sinne bleibe ich eine Träumerin in jeder Hinsicht, denn selbst tonnenweise Erfahrungen halten mich nicht davon ab zu glauben. Ich werde immer träumen. Ich werde immer lieben. So sehr, dass ich mich vergesse.

Ich hätte gern eine Moral als Abschluss meiner Story, aber ich habe keine, denn das Leben ist nicht immer logisch und es gibt nicht für alles eine Schlussfolgerung. Manche Dinge passieren, andere SIND einfach. Die Zeit vergeht, ohne uns zu fragen, ob wir damit einverstanden sind. Und das ist toll! Und es heisst, jede Minute ist ein neuer Moment. Jeder Moment ist eine neue Möglichkeit.

Ich freue mich darauf 30 zu werden dieses Jahr (in Paris!!) – ich hab keine konkrete Vorstellung davon, wie mich das verändert oder was das für mich bedeutet. Ich weiss nur folgendes: Mein Schminkschrank bleibt so wie er ist. Die Probleme der Kardashians hätte ich gerne. Wir alle, ihr und ich, wir sollten keine Zeit dafür haben unglücklich zu sein. Prokrastination ist menschlich. Lieben ist immer eine Bereicherung. Hoffnung ist unumgänglich. Zeit ist begrenzt. Ich bin glücklich.

Kisses

Mel

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ENGLISH VERSION

30 werden_about turning 30_fashionblog luzern

When I was standing in front of my bathroom shelf full of creams and make-up this morning, it reminded me of a drug cabinet. When the hell did I collect all of that? I’m the proud owner of literally 3 eye creams, 4 different hand lotions and butters that most probably have the same effect (if they have one at all). My collection includes 3 (!) primers (as if I could apply all of them at once), 4  foundations (that I barely use), 3 mascaras (one for shaping, one for filling up and one for the lower lashes). Guess, it’s easy to see where this is going: to infinity.

While I’ll be turning 30 this year, my fight against getting older is stepping towards its fifth birthday. I still remember when I decided to start with anti aging when I turned 25, and that lady in the drugstore looked at me as if I was out of my mind – ’cause apparently, I was 5 years late with starting this ugly fight against wrinkles.

Ya, I also remember a time – concretely when I was 16 – when the layers of the make up I scribbled in my face were fatter than my hate against authorities. Funny thing about that was that before and after that painting phase I barely rendered my eyelashes before leaving the house.

When I got sick at New Years Eve, I mastered my living without make up for 7 entire days. Looking into the mirror and seeing myself purely about 40 times a day, while watching the Kardashians not solving their first world problems, almost drove me into an identity crisis. Who am I and what’ll be my answer to the same question in about 10 years?

What has happened in the last 30 years of my life? I arrived happily at my most independent stage of life, after entire 19 years I can consider myself as quite done with school and studies, my job is amazing, blogging enriches my existence, I can chose my work, my travel destinations, I manage to keep 60% of my doctors’ appointments and to pay my bills being only slightly overdue, I live on 120 squaremeters of which 20 are occupied by my clothes and shoes, I had Ups and Downs, healthy and sick phases, not enough facial treatments and some rough skin periods during winter, I started from scratch many times, was wearing super bad sunglasses, I said Yes and No to life, eliminated people that sucked the energy out of me, I suffered like hell and loved fiercely and with all of that I got away with just some bruises. Bruises and a wrinkle between my eyes that I tried to massage away with some nice words and a caviar cream for many years. Until someone was to say to me: “I like that wrinkle between your eyes. Did you know in some cultures it was a sign for secret knowledge and wisdom?” Uch. Seriously? I got a third eye in form of a wrinkle, got it.

Anyway, the effect of this statement was huge. I like that wrinkle now. Not because it’s beautiful, just because it might make me special.

What’s special as well is that even after 30 years I find myself being stuck in motivational stumbling blocks every now and then – following the credo: I’m caught in a motivational issue until it turns into a time issue. Still, this hasn’t hold me back from transforming my dreams into actions that make me achieve them. Sometimes quite fast, sometimes in slow motion. And sometimes my dreams turned into nightmares.

There’s no way I’ll ever forgo my anti-aging-program though I’m pretty sure it’s not effective. Well, hope dies last – independent of our age. So I’ll keep being a dreamer, pushing away all those experiences that should’ve taught me better. I will always believe. I will always dream. I will always love as much that it hurts.

I’d love to have a morale to close my story but I don’t. Life does not always follow a logical path and there’s not a conclusion for everything. Some things just happen, some things just ARE. Time passes without asking us for permission. And that’s great actually. Every minute is a new moment. Every moment is a new chance.

I look forward to turning 30 in Paris this year. Whatever it may change or mean for me. Only thing I know is: My make up collection stays as it is. I’d be more than happy to have those Kardashian problems. We, you and me, shouldn’t have time to be unhappy. Procrastination is a human thing. Love is an enrichment, always. Hope is inevitable. Time is limited. I am happy.

Kisses

Mel